Das Schermützel macht Urlaub
im Hotel Bergschlösschen V
- Ausflug zum Wasserturm-
„Schnell die Sachen in den Trabbi gepackt, Freunde, wir
machen einen Ausflug!“ Das Schermützel trinkt noch rasch einen letzten Schluck
Tee, dann springt es auf vom Frühstückstisch. „Au ja, Scherry!“ „Super Idee,
Scherry!“ „Hätte von mir sein können!“ „Wo soll´s denn hingehen?“, so rufen die
Freunde durcheinander. Die Sonne scheint, der Himmel ist blau und – Schere hält
kurz eine seiner Scheren aus dem Fenster und prüft die Temperatur. „Es ist warm, Freunde! Wir können die
Strickjacken zu Hause lassen!“, kichert er. „Hihi, wir haben doch gar keine
Strickjacken, Schere!“ Perle kraust die Stirn. „Glück gehabt, Perle, wir
brauchen heute auch keine!“ Schere bleibt dabei. „Ich hol schon mal den Wagen,
Freunde!“ Das Schermützel zieht den blauen Trabbi vor die Tür. Das
Goldfischglas mit Goldi, Perle und Günter Qualle stellt es auf den
Beifahrersitz. „Bitte leg´ doch ein paar Decken unters Glas, damit wir aus dem
Fenster gucken können!“, bittet Günter Qualle. Das Schermützel polstert das
Goldfischglas mit Kissen und Decken so hoch, dass die Freunde gute Sicht durch
die Frontscheibe haben. Schuppes Reiseaquarium stellt das Schermützel auf den
Rücksitz. „Ich lenke!“, ruft Schere und setzt sich auf ein großes Kissen, das
auf dem Fahrersitz liegt. Das Schermützel befestigt die alte Ankerkette an der
Stoßstange, hakt den Anker fest und – los geht´s! Bergab hält es den Trabbi
hinten fest, damit er nicht den Berg von der Königstraße hinabbraust. Unten auf
dem Marktplatz muss es dann wieder kräftig ziehen, denn an der Hauptstraße geht
es wieder bergauf. Wie gut, dass es noch ganz früh am Morgen ist. Alles schläft,
und so gelangen die Freunde unbemerkt nach Waldsieversdorf. Die
Süßkirschenallee ist sehr steil. Sie führt rechts hinauf zum Wasserturm.
Schnaufend und schwitzend zieht das Schermützel den ächzenden Trabbi auf den
Berg. „Nicht nachlassen, Scherry!“ „Gleich hast du´s!“ „Du machst das prima!“ „Ich
könnte das auch nicht besser!“ „Halte durch, altes Ungeheuer!“ Die Freunde
versuchen so gut es geht, das Schermützel bei Laune zu halten. Und
tatsächlich:„Geschafft!“
Oben auf dem Berg ragt vor ihnen der strahlend weiße
Wasserturm in den tiefblauen Himmel. „Wie kommen wir denn alle nach oben?“
Schuppe im Reiseaquarium guckt besorgt von vorne nach hinten. „Wir machen das
in Etappen! Zuerst bringe ich Schuppe im Aquarium nach oben, und dann holen wir
das Goldfischglas mit Perle, Goldi und Günter. Also passt schön auf den Trabbi
auf inzwischen!“ „Wird gemacht Scherry!“ „Ay, ay Käptn!“ „Klaro, wird erledigt!“,
ruft es aus dem Glas. Das Schermützel packt noch ein paar Sachen in den
Rucksack. Oben kann es kühl sein. Dann schwingt es den Rucksack mit Schere über
die Schulter und balanciert mit einem Arm das Reiseaquarium mit Schuppe über
seinem Kopf die steile Treppe zum Wasserturm hinauf. Der Aufstieg ist
beschwerlich und dauert….
Währenddessen vertreiben sich die Freunde im Glas die Zeit.
„Wollen wir ein Spiel spielen?“ „Gute Idee, Goldi! Vorschläge?“ „Wie wär´s mit Verstecken?“
„Hihi, wo denn? Hier im Glas ist doch gar kein Platz!“ Günter Qualle guckt sich
um. „Stimmt!“, bemerkt er dann. „Und Fangen fällt wahrscheinlich auch
aus…“ Perle ist betrübt. „Spielen wir etwas mit Sprechen.
Das braucht nicht so viel Platz. Ich fange an: Ich sehe eine
Qualle, die du nicht siehst und die ist durchsichtig…“ Goldi guckt in die
Runde. „Das ist Günter!“, sagt Perle. „Richtig!“, antwortet Goldi. „Wie bist du
so schnell darauf gekommen?“ Günter Qualle schüttelt den Kopf, dass die
Tentakeln schwingen. „Also wirklich, Mädels, ich bin doch die einzige Qualle
weit und breit!“ „Eben, deshalb war´s ja auch noch nicht so schwierig! Aber
jetzt: Ich sehe ein Schermützel und das ist…..!“ „Goldi!
Das ist kein Rätsel! Es gibt doch nur ein
Schermützel hier und das ist Scherry!“, Perle wird langsam ärgerlich! „Achtung
Mädels, Moment mal Ruhe, bitte!“ Günter Qualle guckt etwas besorgt durch die
Windschutzscheibe und flüstert:
„Ich sehe ein paar merkwürdige
Gestalten, die um unseren Trabbi herumschleichen und…“ „Aber Günter, was
ist das denn für ein komisches Rätsel……?“, fragt Goldi. Da wird der Trabbi
unsanft hin und her geschaukelt.
„Na wat ham wa denn da? Een Trabbi! Na guck ma!“, ruft es
von außen. Die Freunde machen lange Hälse, um besser sehen zu können.
„Und steht janz alleene und verlassen hier rum!“
„Wat meenste, Fronze, brauchen wa den noch in unsa
Sammlung?“
„Was ist denn das für eine
Sprache?“, flüstert Perle. „Ich verstehe
nur Bahnhof!“
„Na guck ma, hat och noch eena sein Aquajum drinne vajessen.
Is och wat drinne. Lecka Aamtessen, Fronze!“ „Wat meenste,
Freese, nehm wa den mit? Scheint ja kem zu jehörn!“
„Die können noch nicht
sprechen! Die üben noch, Perle!“, flüstert Goldi. Aber Günter Qualle hat
verstanden. Und er bemerkt als erster die Gefahr!
„Lasst den Trabbi in Ruhe, der gehört uns. Geht weg hier!
Noch ist es nicht zu spät!“, ruft er empört.
„Neee! Kiek ma, ´ne sprechende Qualle, ick glob´s ja nich!
Ne Kurjosität! Die verhökern wa an ´n Zirkus!“ Fronze schielt interessiert
durch das Seitenfenster auf das Goldfischglas.
„Und dit Kleenzeug, Freese, ditte packn wa uffn Grill!“
„Beste Idee, Fronze, so machen wa ditte!“ Freese reibt sich
die Hände. „Fürn Muschelsalat is ditte zwar n´bisschen wenich, aba der Autodieb
freut sich, wa?“
„Nein! Lasst das! Das ist unser Trabbi!“,
rufen die Freunde laut, aber die beiden merkwürdigen Gestalten haben die alte
Ankerkette gepackt und halten den Trabbi damit hinten fest. Langsam rollt er
den Berg hinunter.
„Die verstehen uns nicht!“, ruft Goldi. „Die sprechen eine
andere Sprache!“
„Dann müssen wir eben versuchen, in ihrer Sprache zu reden.“
Günter Qualle macht sich so groß, wie eine Qualle nur kann, dann brüllt er:
„Ey, jetze ma Klartext, ihr Nulpen! Sofort kehrt machen,
und zwar hoppi galoppi! Oda muss icke erst rüschtüsch böse wern?“
Damit haben die beiden nicht gerechnet!
„Ey Freese, hat die Qualle ebm mit uns jeschümft? Oda hör
icke jetze schon weiße Mäuse?“
„Mann, dit heießt: Seh´
icke jetze schon weiße Mäuse! Wat reds ´n du fürn Stuss, Fronze!“
Freese schüttelt den Kopf.
„Ach, der Herr Freese is ´n janz schlauer, ja? Der weeß dit allet
wieda ma bessa! Muss wieda ma bisschen klugscheißen, der Herr Freese! Haste
ditte inne Aamtschule jelernt?“
„Ey, Mann, ja, nich
so, ja! Nich in so ´n Ton, ja! Hör uff, so mit mia zu redn, Fronze!“
Am Fuße des Berges bleibt Fronze stehen und verschränkt die
Arme vor der Brust.
„Kannst ja die Karre ma mit deiner granjosen Intelljenz
ziehen! Krichste sicha ´n jewaltjen Schub druff! Nu mach ma!“
„Manno, Fronze, imma gleich beleidicht! Du bist echt n´
Mädchen!“
„Was? Frechheit!“, kreischt Goldi. „Das ist
Diskriminierung von Frauen!“ „Müssen wir uns das bieten lassen?“
Auch Perle ist jetzt richtig wütend geworden, und es fängt
an, gefährlich im Aquarium zu brodeln.
„Wat is ´n ditte?“ „Kommt aus ´n Aquajum!“ Verunsichert
schauen Freese und Fronze auf das Goldfischglas. „Dit brodelt da drinne wie in ´n
Suppentopp! Wat machen die ´n da?“ Freese öffnet die Autotür. Beide beugen sich
über das Goldfischglas, in dem es inzwischen brodelt und blubbert. „Ey, Freese,
hier stimmt wat nich!“
„Haut ab, zum letzten Mal, sonst jibs gleich ´n blauet
Wunder, ihr Clowns! Nu glotzt nich so wie die Kühe! Oda habt da wat mit de
Ohrn?“
„Die Qualle schnappt üba, Fronze! Los, die schmeißen wa
jetze einfach raus! Dit Jequassel hält ja keen vanünftja Dieb aus!“ Freese
greift in das Goldfischglas, um Günter Qualle zu packen, aber da hat er nicht
mit Günter Qualle gerechnet! Der ist jetzt nämlich richtig böse. Er stützt sich
auf den Glasrand und schlingt ein paar seiner Tentakeln um die Hälse der Diebe.
Die kreischen und wehren sich, aber eine wütende Qualle ist ganz schön stark!
Als die Gesichter der beiden ganz nahe an der Öffnung des Glases sind, gibt Günter
das Kommando: „Jetzt Mädels!“ Perle und Goldi haben tief eingeatmet. Sehr tief!
Sehr, sehr tief!!!! Booaaaaah und BRRRUUUUUUUMMMMMMMMMS!
Mit einem gewaltigen Getöse entweicht eine große, stinkende Gaswolke
dem Wasser!
„IIIIIIIIIIIEEEEEEHH!!! Die Muschel
hat jerülpst!“„BÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄHHHH! Und der Goldfisch hat jefurzt!“,
schreien die Banditen.
„Hoho Goldi, das war Klasse!“ Perle nickt anerkennend. „Ich
wusste gar nicht, dass du das kannst!“ „Tja, Not macht erfinderisch! Soll ich
noch mal?“, zwinkert Goldi Perle zu.
„Neeeeeeeeeeeeeeee, bitte nich nochmaaaaa!“,
brüllen die Autodiebe, die immer noch von Günter Qualle gefesselt mit dem
Gesicht über dem Goldfischglas hängen. „Ich hol´ schon mal Luft, Freunde!“,
sagt Goldi und bläht ihren Bauch so dick auf, wie sie nur kann. „Neeee,
neee, neee, mir wird schlecht!“ „Kotzen is nich, ihr Nulpen, ick lass jetze los, und
wenn ihr nich in 3 Sekun in Australjen seid, dann jibs gewaltich Stress, ham wa
uns da verstan´n?“
„Ja, ja, Meester, is jebont, wa haun jetze ab, jeordneter
Rückzuch, keen Probleem! Jetze echt ma!“
„Und wagt´s janich, zurückzukomm´, ick kriech euch, ejal
wo!“
„Neee, neee, Banditenehrnwort,
echt jetze ma!“
Günter Qualle löst die Tentakeln, aber es ist zu spät, Goldi
hat bereits zu viel Luft im Bauch und die muss nun einfach raus! „Brrruuuuuuuuummmmmms!“,
kommt es noch einmal laut aus dem Glas. Der Trabbi wackelt. „IIIIIEEEEEEHHH,
dit müffelt so voll eklisch nach Joldfischfurz, wat hat n´ dit Viech nur
jefressen?“ Freese hält sich die Nase zu.
„Mann is mir schlecht, ich
glob, ick muss gleich k…….!“, kann Fronze noch murmeln, dann dreht er
sich an den Straßenrand und ko….. mitten auf den Bürgersteig!
„Ja was machen Sie
denn da?“ Unbemerkt von allen ist ein Polizeiauto herangefahren. Polizeioberwachtmeister
Schreiber und Polizeioberwachtmeisterin Zack steigen aus. „Och, wir warn
nur n´bisschen mit unsan Auto spaziean. Und
mit unsan Aquajum ufn Sitz, wa?“, nuschelt Freese. Fronze hat sich ein wenig
erholt.
„Ach, und was machen Sie da mit der Ankerkette? Sieht ja
fast so aus, als wollten Sie das Fahrzeug stehlen!“ Frau Zack ist misstrauisch
geworden.
„Nö, nö, wir führn dit nur ´n bisschen aus. So ´n Trabbi
will ja och ma raus, wa?“
„Soso, und damit er Ihnen nicht wegläuft, da haben Sie ihn
einfach an die Leine gelegt, ja?“ Herr Schreiber schüttelt den Kopf.
„Autopapiere haben Sie zufällig auch nicht dabei, nehme ich an?“ Herr Schreiber
schaut die beiden an.
„Neee, neee, Herr Wachtmeester, also jut. Nu nochma anders.
Dit is nämlisch so, wia sind hia de Opfa!“ „Ach ja?“ Frau Oberwachtmeisterin
Zack rückt sich die Mütze zurecht.
„Da sind wir jetzt aber gespannt! Erzählen Sie mal!“
„Also, ja, dit is janich unsa Trabbi, also: Wa jehn so
dranne vorbei, da brüllt uns die Qualle da drinne an!“
„Was Sie nicht sagen! Also die Qualle hat sie angebrüllt?“
Ruhig wiederholt Frau Zack die Sätze von Fronze und wirft Herrn Schneider einen
Blick zu. Herr Schneider hat verstanden, geht zum Polizeiwagen zurück und
spricht in sein Funkgerät. „Ja jenau und zwa janz frech! Mitten ausn Aquajum
raus hat die uns beschümft!“ Frau Zack verzieht keine Miene und nickt. „Die
Qualle hat Sie also beschimpft, aha. Wie Quallen das eben so tun…!“
„Jenau! Und denn ham wa uns üba dit Aquajum jebeucht. Und
denn hat dit Viech uns mit de Tentakeln jefesselt!“ „Aha, die Qualle hat Sie
also mit ihren Tentakeln gefesselt. Langsam, meine Herren, ich schreibe das mal
eben mit!“ Frau Zack hat ihren Notizblock gezückt.
„Jenau! Und als wa mit de Köppe drüber warn, da hat denn de
Muschel jerülpst und der Joldfisch jefurzt. Aber vollet Rohr!“
„Soso, gerülpst und gefurzt also!“ Frau Zack hebt die
Augebraue und notiert das Gesagte. „Und dit hat mördrisch jestunkn, aba wa
konntn ja nich weg! Dit war voll jemein, Frau Wachtmeister! Jetze ham wa bestümmt
ne Jasvajiftung!“ Inzwischen hat sich ein Krankenwagen genähert.
„Gasvergiftung, aha. Ja, meine Herren, dann wollen wir Sie vielleicht erst
einmal genauer untersuchen lassen. Das kann ja sehr gefährlich sein für die
Gesundheit. So eine Vergiftung durch Muschelrülpser und Goldfischfurze!“ Frau Zack
hilft den Krankenpflegern die beiden überraschten Diebe in den Krankenwagen zu
transportieren.
„Nehmen Sie bitte gleich einmal dieses Beruhigungsmittel hier
ein, und dann fahren wir in die Klinik! Da wird man Ihnen helfen können!“ Der
nette Krankenpfleger begleitet die beiden verblüfften Autodiebe in den
Krankenwagen.
„Wenn Sie wieder gesund sind, dann melden Sie sich bitte bei
uns auf der Wache in Rehfelde!“, sagt Frau Zack. „Und falls Sie es vergessen
sollten, dann holen wir Sie gerne auch persönlich ab, meine Herren!“, ergänzt
Herr Schneider.
Als der Krankenwagen mit den überrumpelten Dieben
weggefahren ist, sehen sich die beiden Polizisten den Trabbi nochmals genauer
an. „Der Wagen ist ein Liebhaberstück!“ Frau Zack nickt anerkennend. „Ist gut
gepflegt, aber wenn Sie mich fragen, Herr Schreiber, dann hat er keinen Motor!“
Polizeioberwachtmeisterin Zack wirft einen Blick unter die Motorhaube.
„Tatsächlich! Ja, wie mag er dann nur fahren?“ „Das Rätsel
lösen wir heute nicht mehr, Frau Zack,….Moment mal, schauen Sie mal, steht da
oben auf dem Wasserturm möglicherweise ein großes grünes Seeungeheuer?“
Aber husch, so schnell es aufgetaucht ist, ist es auch schon
wieder verschwunden! Das Schermützel hat die letzten Minuten das Geschehen vom
Wasserturm aus beobachtet. Schnell duckt es sich jetzt, um nicht gesehen zu
werden.
„Herr Schneider, wenn Sie mir jetzt noch etwas von
sprechenden Quallen erzählen wollen, dann mache ich mir Sorgen!“ Frau Zack
guckt ihren Kollegen genau an. „Nein, nein, Frau Zack, das ist wohl nur die
Sonne. Die ist heute wirklich sehr hell!“ Herr Polizeioberwachtmeister
Schreiber will seine Kollegin nicht weiter beunruhigen. „Herr Schreiber, wir
machen Folgendes: Wir informieren Herrn Talberger von der MOZ. Er möge bitte
eine Zeitungsnotiz über diesen herrenlosen Trabbi schreiben. Dann kann der
Besitzer ihn sich abholen!“ „Gute Idee, Frau Zack! So machen wir das! Ich funke
ihn gleich mal an!“ „Tja, und was machen wir mit euch nun?“ Frau Zack blickt
auf das Aquarium auf dem Beifahrersitz. Freundlich lächeln die drei sie aus dem
Wasser an. „Nette Tiere!“, denkt Frau Zack. Da kommt ein großer, dicker Mann in
einem langen Regenmantel, grünen Strümpfen, einem Hut und mit Sonnenbrille die
Süßkirschenallee entlangspaziert. „Haaach! Da ist er ja, mein Trabbi!“, ruft
er. „Wie gut, dass Sie ihn gefunden haben, Frau Polizeioberwachtmeisterin Zack.
„Kennen wir uns?“, fragt Frau Zack etwas misstrauisch. „Aber
ich bitte Sie, Sie und Herrn Polizeioberwachtmeister Schneider kennt doch jedes
Seeungeh…, äh, ich meine, kennt doch jeder Mensch hier in der Märkischen
Schweiz! Sie fangen doch die Autodiebe, Bootsräuber und Hoteleinbrecher!“ Frau
Zack nickt. „In der Tat! Da haben Sie recht! Und Sie sind Herr….?“ „Schermützel,
Frau Zack, mein Name ist Schermützel!“, sagt das Schermützel und reicht ein
etwas feuchtes Stück Papier. „Und hier sind meine Autopapiere und die Besitzurkunde
für mein Aquarium.“ Frau Zack nimmt die Papiere entgegen. „Die sind Ihnen wohl
in den Schermützelsee gefallen!“, sagt Frau Zack und begutachtet die Dokumente.
„Ja, leider, das stimmt. Es ließ sich nicht vermeiden!“,
sagt das Schermützel freundlich.
„Und wenn Sie jetzt nichts dagegen haben, dann gehen wir
noch ein wenig spazieren, mein Trabbi, mein Aquarium und ich!“, sagt das
Schermützel, nimmt der verblüfften Frau Zack die Papiere aus der Hand, winkt
Herrn Schneider noch einmal zu und zieht mit dem Trabbi an der Ankerkette fort
den Berg hinauf.
„Frau Zack, wenn Sie mich fragen, dann sollten für heute den
Dienst beenden und einfach vergessen, was wir hier gerade erlebt haben!“,
schlägt Herr Polizeioberwachtmeister Schneider vor. „Eine gute Idee, Herr
Schneider!“, erwidert Frau Polizeioberwachtmeisterin Zack. „Denn das glaubt uns
sowieso kein Mensch!“
Oben vom Wasserturm aus sehen die Freunde das Polizeiauto
Richtung Rehfelde davon fahren. „Ist das nicht ein herrlicher Blick von hier
oben?“ Goldi ist begeistert. „Ich kann bis nach Buckow sehen!“, jubelt Perle.
„Ich sehe Bollersdorf!“ ruft Schuppe. „Ich sehe den Großen Däbersee, wie der
funkelt!“, schreit Schere. „Unsere Heimat!“, sagt das Schermützel, „guckt nur
mal, wie schön die ist!“. Und wenn man ganz genau hinschaut, dann kann man eine
kleine Träne in seinem linken Auge entdecken.
„Und wisst Ihr, was ich noch sehe, Freunde?“ Nun sind alle
gespannt. „Auf dem Tisch im Frühstücksraum in unserem Hotel Bergschlösschen, da
steht eine riesengroße Schüssel mit lecker dampfender Entengrütze, ein feiner
Algensalat und knusprig geröstete Wasserlinsen, was meint ihr dazu?“ „Kommt,
fahren wir jetzt schnell nach Hause!“ „Ja, ich hab Hunger!“ „Ich auch!“ „Mir
knurrt schon der Magen!“, ruft Perle. Goldi und Günter Qualle rücken ängstlich
ab von ihr. „Perle, du wirst doch nicht schon wieder rülp….?“ Aber Perle lacht.
„Nein, keine Angst, Freunde, ich hab alles unter Kontrolle! Gerülpst wird ab
jetzt nur noch bei Gefahr!“
Am nächsten Morgen kann man in der MOZ folgenden Artikel
lesen:
Neues aus aller Welt.
Waldsieversdorf.
Zwei psychisch Kranke in Klinik eingeliefert. Die beiden
verwirrten Männer versuchten offenbar im Drogenrausch ein motorloses Auto
mittels einer Ankerkette zu stehlen. Sie wurden von der hiesigen Polizei
dingfest gemacht und ließen sich widerstandslos in die Klinik bringen. „Die
Wahnvorstellungen der beiden Patienten sind hartnäckig, und die Behandlung wird
dauern!“, so der Chef der psychiatrischen Abteilung. „Ein tragischer Fall! Sie
reden weiterhin ununterbrochen von gewalttätigen Quallen, rülpsenden Muscheln
und furzenden Goldfischen!“ Bis zur Genesung werden die polizeilichen
Ermittlungen eingefroren. Der Chefarzt der Psychiatrie schlägt eine
Konfrontationstherapie vor. Die beiden Kranken sollen nun stundenweise das
Aquarium der Klinik säubern. „Wir sind doch nicht lebensmüde!“ Mit diesen
Worten haben sie sich allerdings bisher strikt geweigert. Wir halten Sie weiter
auf dem Laufenden.
Tamos Talberger, Reporter der MOZ
„Eins musst du uns noch verraten, Günter!“ Perle hat sich an
Günter herangemuschelt. Am
Abendbrotstisch im Hotel Bergschlösschen knuspern zum Schluss alle noch
gemütlich von den gerösteten Wasserlinsen. „Wo hast du diese Fremdsprache
gelernt?“ Alle sind gespannt auf Günters Antwort. „Das ist keine Fremdsprache,
das ist eine Mundart. Die Banditen haben „berlinert“!“ Schuppe fragt: „Und wo
hast du das „Berlinern“ gelernt?“ „Das war während meiner Ausbildung als
Musiker! Ich studierte drei Jahre lang Märkisch Bouzouki bei der Band Grünpflanzenland
im Berliner Aquarium!“ „Ach, und die Musiker sprachen diese Mundart?“, fragt
Schere. „Nein, aber die Besucher des Aquariums. Die quasselten diese Sprache,
und da habe ich sie gelernt. Aba nu kann ick se, könnta globm!“, sagt Günter
Qualle und alle müssen lachen. „Aber danach bist du wieder zurück nach Buckow
gekommen!“, stellt das Schermützel fest. „Ja, ich bin am liebsten hier in
Buckow und bei euch, es gibt nichts Schöneres für eine Qualle. Passt auf, ich
bringe euch ein Berliner Lied bei, Freunde,…..Es wurde noch ein lustiger Abend im
Bergschlösschen, und später gesellten sich auch noch Bernd und Bella dazu.
Bolle reiste jüngst zu Pfingsten,
nach Pankow war sein Ziel,
da verlor er seinen Jüngsten,
janz plötzlich im Jewühl……….. und alle
weiteren 20 Strophen schallten durch die Nacht!
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